Montag, 7. Mai 2018

Das Meisterwerk des Mittleren Weges, neue Bearbeitung in Deutsch, Teil 1



Neue Übersetzung des MMK mit ausführlichen Kommentaren   


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Hiermit stelle ich dieses epochale Werk zum Mittleren Weg (MMK) von Nâgârjuna neu in Deutsch als PDF vor. Daran habe ich fast 18 Jahre gearbeitet und mich dabei um möglichst gute Verständlichkeit bemüht. Deswegen werden ausführlichen Erläuterungen eingefügt, dies ist bei der Schwierigkeit des Textes von großer Bedeutung. Der Sinn und die tiefgründige Bedeutung sollen aber nicht verflacht oder verändert werden. 

Jedes Kapitel ist wie folgt gegliedert: Hinführung zum Thema, Übersetzung mit Erläuterungen und Kommentaren der jeweiligen Verse und Ergebnis als Zusammenfassung der Bedeutung. Auf diese Weise wird auch zum weiteren Gang der Untersuchungen im MMK übergeleitet.

Das MMK ist in der Fachwelt völlig unbestritten und ein Höhepunkt des Buddhismus, aber m. E. bisher zu wenig beachtet und benutzt. Das liegt sicher auch an der kompakten und für uns ungewohnten Form der Verse und an der Schwierigkeit des Inhalts. Daher hat es immer wieder gravierende Missverständnisse nicht zuletzt im vorherigen Jahrhundert gegeben. Zur Klärung dessen, was Nagarjuna wirklich sagen wollte, möchten wir unseren Beitrag leisten.

Die intensive Zusammenarbeit am fulminanten Meister-Werk des Mittleren Weges von  Nâgârjuna begann zusammen mit Nishijima Roshi  im Jahre 2000. Es war uns klar, dass nur eine direkte Übersetzung aus dem Sanskrit diesem Werk gerecht werden konnte. Daher nahm ich zunächst Sanskrit-Unterricht bei Peter Gäng und übersetzte zusammen mit ihm etwa ein Drittel des Textes. Parallel dazu war ich mehrmals in Japan für die gemeinsame Arbeit mit Nishijima Roschi. Eine erste deutsche Fassung war Ende 2005 fertig gestellt.

Allerdings war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Der schwierigen Text und die oft verwirrenden bereits vorhandenen Übersetzungen forderten mich bis an die Grenzen meiner damaligen Möglichkeiten. Die tägliche Zazen-Meditation hat mir dabei sicher geholfen, im Gleichgewicht zu bleiben. Und ich wusste: Das Gehirn ist ein selbst-lernendes System, aber man muss dran bleiben und darf nicht aufgeben.

So beschloss ich zunächst den Zen-Buddhismus mit Nishijima Roshi vertieft anzugehen. Daraus entstanden mehrere Bücher: Übersetzungen und neue Texte. Parallel dazu liefen die Arbeiten am MMK weiter. Neun Jahre nach der ersten Fassung und nach den Zen-Texten intensivierten sich diese Arbeiten, vor allem durch die enge und fruchtbare Kooperation mit der Indologin Elisabeth Steinbrückner. Wir verwendeten einen dreistufigen Prozess, der transparent von ihrer exakten Wort-für-Wort Übersetzung ausgeht. Darauf aufbauend habe ich meine Übersetzung sowie deren Bedeutungen, Erläuterungen und Kommentare erarbeitet. Dafür bin ich selbstverständlich verantwortlich, einschließlich möglicher Fehler.

Nâgârjuna wollte aus meiner Sicht mit dem MMK keine neue buddhistische Lehre entwickeln, wie einige behaupten, sondern vielmehr den zentralen Kern der authentischen Lehre Buddhas herausarbeiten, entschlacken und ihm neue Impulse geben, z. B. durch den Begriff der Leerheit. Er formuliert in der Präambel:

"Buddha, der vollkommen Erwachte, zeigte das wechselwirkende gemeinsame Entstehen,
das beglückende Aufhören der wegführenden Fehlentwicklungen und Verwirrungen.
Ihn, den besten der Sprechenden und Lehrenden, verehre ich"

Ein Beispiel aus Buddhas sutta der Achtsamkeit [1] der sieben Gliedern des Erwachens
"Er erkennt, wenn in ihm das unentstandene Glied des Erwachens (der) ´Freude´ entsteht".

Das Entstehen des Erwachens als Prozess der Emanzipation und Befreiung des Menschen aus dem Leiden ist das zentrale Anliegen Buddhas und seine Philosophie: Alles verändert sich, es entsteht und kommt zu Ruhe: Freude entsteht, Leiden und Verwirrungen (prapanca) hören auf. Diese Klarheit stellt Nagarjuna wieder her.

Die Verehrung Buddhas ist dabei sicher nicht nur eine devote Floskel !
Übrigens kann man den zentralen Sanskrit-Begriff der ersten Zeile, pratitya samutpada, auch als "ganzheitliches Entstehen in Wechselwirkung"  übersetzen. Das ist m. E. der Schlüssel zum Verständnis und zur Gestaltung unseres Lebens und zu den Vorgängen in der Welt. Dogmatischen Extreme sind dazu völlig unbrauchbar und führen zum Leiden.

Die authentische Lehre war in Indien im Verlauf von etwa 600 Jahren nach Buddha durch verschiedene, zum Teil hoch komplexe Philosophien verfremdet und durch dogmatische Sekten und Ideologien verzerrt worden. Zudem hatte die vorbuddhistische Philosophie des Brahmanismus wohl unbemerkt neue Kraft und Verbreitung im Buddhismus erlangt. 

Viele Kapitel des MMK dienen dem Ziel der Destruktion irreführender philosophischer Meinungen, Ideologien, falscher Lehrtraditionen und der Doktrin einer illusionären, angeblich ewigen und unveränderlichen Substanz (svabhâva) in der Welt. Dies ist mit der dynamischen Wechselwirkung z. B. in Öko-Systemen und beim Befreiungsprozess des Menschen überhaupt nicht vereinbar. Beides hatte Buddha m. E. klar erkannt.

Es ist spannend zu beobachten, dass alte Doktrinen und Vorstellungen aus der vorbuddhistischen Zeit unter dem Deckmantel buddhistischer Begriffe unbemerkt wieder auftauchten. Diese doktrinäre Verwendung von Begriffen hatte Buddha aber gerade als unheilsam abgelehnt. Daher bedurfte der Buddhismus insofern einer gründlichen Erneuerung.

Und genau diese Fehlentwicklungen destruiert Nagarjuna im MMK konsequent und mit brillanter Präzision. Aber er bleibt nicht dabei stehen, sondern gibt der Entwicklung des Buddhismus große neue Kraft: Ein neuer kräftiger Schub und nachhaltiger Impuls, bis zu uns in den Westen.




[1] Gäng, Peter, Hrsg: Meditationstexte des Pâli-Buddhismus Bd. I, S. 49

Donnerstag, 3. Mai 2018

Das Meisterwerk des Mittleren Weges, neue wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit

Neue Wort-für-Wort  Übersetzung





Dieses epochale Werk zum Mittleren Weg (MMK) von Nâgârjuna gilt in der Fachwelt unbestritten als ein Höhepunkt des Buddhismus. Es ist beinhaltet zentrale Grundlagen zum buddhistischen Befreiungsweg der Mitte und der Leerheit. Es entschlackt den Buddhismus von diversen fehlerhaften Doktrinen, nicht zuletzt des Volks-Buddhismus, und gab und gibt vitale Impulse. Das MMK hat die gesamte folgende Entwicklung des Buddhismus maßgeblich beeinflusst, vor allem in Indien, China, Japan, Tibet und jetzt im Westen.

Wegen dieser großen Bedeutung und erheblicher gravierender Widersprüche der bisherigen Übersetzungen und Interpretationen haben die Indologin Elisabeth Steinbrückner und ich beschlossen, einen radikalen Neuanfang zu wagen: In einem dreistufigen Verfahren gehen wir vom authentischen Text in Sanskrit aus. Sie hat dabei in zwei Stufen eine exakte Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Sanskrit und eine teilweise vor-formulierte Fassung erarbeitet, die hiermit vorgelegt werden.

Durch die exakte Wort-für-Wort-Übersetzung ist es möglich, dem genauen Gedankengang und damit dem Geist des großen Meisters Nâgârjunas direkt zu folgen. Aber zugegeben: Den Leser erwarten einige Schwierigkeiten, der Text hat es in sich, eine echte Herauforderung!

M.W. ist ein solches dreistufiges und vor allem transparentes Vorgehen bisher nicht verwirklicht worden. Ich bin aber überzeugt, dass man damit diesem epochalen Werk wirklich gerecht werden kann. Wahrscheinlich hätten diverse Fehlinterpretationen vermieden werden können, die oft für längere Zeit die Aussagen des MMK verwässert, verzerrt oder sogar ins Gegenteil verkehrt haben. Wichtig ist es m. E., den Originaltext in Sanskrit zu verwenden und nicht Übersetzungen aus dem Tibetisch, Chinesisch, Englisch oder Französisch, so gut sie auch sein mögen.

Auf der verlässlichen wörtlichen Übersetzung baue ich dann meine sinngleiche Übersetzung, Interpretation und Erläuterung auf. Damit hoffe ich eine bestmögliche Verständlichkeit mit ausführlichen Erläuterungen bei wissenschaftlich fundierter Texttreue zu erreichen. Fehler habe ich selbstverständlich zu verantworten. Der Leser kann für jeden Vers auf die wörtliche Übersetzung direkt zurückgehen und eventuell seine eigene Interpretation erarbeiten. Das wäre besonders spannend. Meine Fassung soll dann in drei Teilen nacheinander im Netz und in Buchform veröffentlich werden.

Als ich 1996 Nishijima Roshi das erste Mal in Tokio traf, arbeitet er intensiv an seinem Buch zum Mittleren Weg dieses großen indischen Meisters Nâgârjuna. Er war mit den bisherigen Fassungen nicht zufrieden: Ein fundamentales Werk von hoher Qualität und erheblicher Schwierigkeit. M.W. als erster stellte er eine spannende und tiefgründige Verbindung zum großen  Zen-Meister Dôgen und dem Werk Shobogenzo her. Im Jahre 2000 vereinbarten wir dann beim Buddhistischen Kongress in Hannover, dass ich eine deutsche Fassung in Kooperation mit ihm vorlegen würde. Diese Kooperation mit ihm für Dôgens und Nagarjunas Werke hat meine gesamte Arbeit außerordentlich gefördert und vorangebracht.

Seine zusammen mit Brad Warner erarbeitete englische Fassung des MMK wurde 2011 veröffentlich.

Weil ich nicht die für dieses Werk ausreichenden Kenntnisse in Sanskrit habe, war es ein großes Glück, dass ich Ende 2014 die Indologin Elisabeth Steinbrückner kennen lernte und die Arbeiten am MMK dann intensiviert mit ihr fortsetzen konnte.


Nun ist es so weit:
Mūlamadhyamakakārikā (MMK) von Nāgārjuna
(Elisabeth Steinbrückner)
Bei der vorliegenden Arbeit zu den Mūlamadhyamakakārikā (MMK) von Nāgārjuna handelt es sich um ein persönliches Experiment und als solches bedarf es vielleicht einer Art kurzer Gebrauchsanweisung.

            Obwohl der Text sprachlich nicht besonders schwierig ist, ist ein vollständiges Verständnis nicht leicht zu erreichen. Trotzdem sollte der Text selbst alles bieten, was man zu seiner Durchdringung benötigt.

            Zusammen mit Jürgen Yudo Seggelke entstand vor einigen Jahren die Idee zum vorliegenden Experiment. Es handelt sich um so etwas wie die Vorstufe einer Übersetzung, die sich in zwei Schritten vollzieht. Im ersten Schritt sind lediglich die einzelnen Worte in ihrer grammatikalisch dem Sanskrit entsprechenden Form wiedergegeben. Der zweite Schritt ist eine Annäherung an eine Übersetzung, der aber mechanisch erfolgte und die aus meiner Sicht wahrscheinlichste Verbindung der einzelnen Satzglieder darstellt. Die wenigen Zusätze sind konsequent in Klammern gesetzt worden und als solche für den Leser noch zu erkennen.

            Auf diese Weise entstand ein Dokument, das weniger ein fertiges Verständnis liefert als vielmehr meinen und unseren Versuch, den Text auf unvoreingenommene Weise selber sprechen zu lassen. Dabei wurde streng auf Präzision geachtet. Jedes Wort wurde bis auf seine im Sanskrit so wichtige Wurzel zurückgeführt und die Verbindungen der Worte, die von ein und derselben Wurzel abstammen, sind, wo immer möglich, auch im Deutschen wiedergegeben.

            Der Leser hat also mit der vorliegenden Vor-Übersetzung gewissermaßen eine Art Baukasten an der Hand, mit dem er auch ohne Sanskritkenntnisse seine eigene Übersetzung erstellen könnte. Natürlich würde der Text erst durch die sprachlichen Finessen des Deutschen zu einer echten und schön zu lesenden Übersetzung heranreifen. Diesen Schritt soll aber jeder für sich selbst gehen können. Dies war jedenfalls die Idee.

            Ob diese Art der Herangehensweise funktionieren kann, wird sich wohl erst in der Zukunft zeigen. Für Rückmeldungen jeglicher Art sind wir deswegen sehr dankbar.


Montag, 16. April 2018

Bild der Buddha-Natur



Dôgen sagt zu einem Bild des großen indischen Meisters Nagarjuna im damaligen China:

„Wenn wir die Augen wirklich auf ein Bild der Buddha-Natur richten und es in Klarheit genau ansehen, sind wir direkt in der Gegenwart ankommen und zufrieden. Dann haben wir keinen (ungestillten) Hunger nach der (zusätzlichen) Wahrheit.“

Das Bild geht dann mit uns eine kraftvolle Wechselwirkung ein: genau im Jetzt. Wer nur flüchtig sieht, für den ist die Buddha-Natur verborgen. Es dürfte schwer und fast unmöglich sein, die Buddha-Natur überhaupt wahrzunehmen, wenn wir hektisch und wie gehetzt auf dem Smartphone herum wischen. Also das Ding einmal ausschalten und wirklich hinsehen: innerlich ruhig, im Gleichgewicht und offen für das Hier und Jetzt der Schönheit der Welt; nicht zuletzt für den anderen Menschen direkt gegenüber. Vielleicht sehen wir dann in ein Gesicht der Buddha-Natur

Da kommt Freude auf! Das ist die Wechselwirkung mit der eigenen Buddha-Natur, dann verwandeln genau diese Wechselwirkungen den Menschen im Augenblick: Wir werfen unseren Pfeil über uns selbst hinaus, wie Nietzsche sagt. Das kleine Ich ist zur Ruhe gekommen und verschwunden, das sich auf eine zementierte Vergangenheit oder die Angst der Zukunft verengt hat. Befreiung ist mehr als die Beseitigung bisheriger angeblicher oder wirklicher Flecken, Befreiung wirft unseren Pfeil über uns selbst hinaus und bewirkt Freude und Kreativität. Leerheit ist Kreativität!

Diese Wechselwirkung der lebendigen Welt ist das große Thema Nagarjunas in seinem Werk des Mittleren Weges. Sie ist leer von verwirrenden und unheilsamen Doktrinen. Daher bezeichnet der Begriff der Leerheit das gemeinsames Entstehen in Wechselwirkung (pratitya samutpada):

Die Welt und ihre Prozesse, so wie sie wirklich sind, die Emanzipation zur Freiheit, wie sie wirklich ist. Nagarjuna de-konstruiert falsche Dogmen und Doktrinen auch im Buddhismus und gewinnt die Reinheit und Fülle des Buddhismus damit konstruktiv zurück.

Das ist die Kraft der Mitte und nicht die Krankheit der Extreme.

Nagarjuna sagt auch: Wer die Leerheit falsch versteht, dem ist nicht zu helfen. Und die falsch verstandenen Leerheit ist wie eine schlecht gegriffene giftige Schlange: Sie hat sie einen tödlichen Biss. Nagarjuna destruiert damit m. E. das Verständnis der Leerheit als Nihilismus, das totale Nichts und den Skeptizismus.

Beim Zazen geht es um die Sitzhaltung und die Art des Sitzens, also um das ganzheitliche Gleichgewicht von Körper-und-Geist im Frieden und in der Freude. Der Körper wird dann zur direkten Ausdrucksform der Buddha-Natur, er ist die Buddha-Natur. Der Körper ist gerade kein Hindernis auf dem Befreiungsweg. Deshalb müsse ein Bild von Nâgârjuna nicht zuletzt die körperliche Form markant und genau darstellen, so Dôgen.


Freitag, 23. März 2018

Weltweite Nutzung des Buddha Blog Berlin

(Eberhard-Gensa Kügler)

Lieber Yudo Seggelke Roshi, der großartige weltweite Erfolg des Zen Blog Berlin (über 155 000 Zugriffe!) zeigt, dass der Buddhismus gerade heute spannend, wirkungsmächtig und aktuell ist wie eh und je.

Es besteht kein Zweifel: Buddhas praktische und wirkungsvolle Lehre einer tiefen Weisheit zur Befreiung der Menschen und zum Lebensglück ist im Westen angekommen. Dazu hast Du einen erkennbaren Beitrag geleistet und so die Arbeiten von Kodo Sawaki und Nishijima Roshi fortgeführt. Dafür danken wir Dir!


Nishijima Roshi und Yudo Roshi nach der Dharma-Übertragung 2003

Auch Dein Blog mit Beiträgen zur buddhistischen Forschung und Philosophie hat mit der beachtlichen Zahl von bisher 12 500 Zugriffen eine erstaunliche Resonanz gefunden.

Dieses große Interesse liegt sicherlich in den Themen, vor allem aber in deren fundierter Aufbereitung begründet. Die konsequente Ausrichtung am ZEN von Meister Dogen und seit einiger Zeit auch am Mittleren Weg Nagarjunas, entspricht offensichtlich dem starken Bedürfnis, fundierte und vertiefende Informationen zu den großen Meistern und ihren Werken zu bekommen.

Denn Vertrauen zum Buddhismus wird vor allem auf der Grundlage des soliden Verständnisses der authentischen Basistexte gewonnen. Das unterstützt erneut die Erfahrung, dass Menschen, die sich mit Zen und Buddhismus auseinandersetzten, auf Dauer nicht immer die gleichen Floskeln und Phrasen hören wollen, sondern wirklich Handfestes.

Und das gelingt mit Deinen Blogs, Büchern und Videos in Youtube. Durch anschauliche Beispiele und eine klare Sprache kannst Du auch komplexe Zusammenhänge in den Texten von Nagarjuna und Dogen (und diese Beiden sind wahrlich keine leicht zugänglichen geistigen Leichtgewichte) in die Gegenwart übersetzen.

Ganz nebenbei gibt es auch noch etwas über Systemtheorie und den aktuellen Stand der Psychologie und Gehirnforschung zu erfahren. Denn hier besteht die wichtige Anschlussfähigkeit für die Gegenwart: Wechselwirkung, Vernetzung und Verantwortung in sich weiter entwickelnden lebenden Systemen. Und manche überlieferte Aussage lässt sich so ganz neu und manchmal erst richtig verstehen.

Du hast damit die tiefgründigen Lehren von Buddha, Nagarjuna und Dogen aus den Fängen einer teilweise verschwurbelt-esoterischen Verflachung befreit. Dass die Interessierten dem zustimmen, das sieht man an der nun von Deinen Blogs erreichten Lesergemeinde!

Donnerstag, 15. März 2018

ZEN im Film von La Gomera




Der bekannte Filmemacher Ronald Urbanczyk macht mit seinem Team eine sorgfältige und vielschichtige Dokumentation von La Gomera. Er geht den Fragen nach: Warum zieht es viele Menschen aus Deutschland und anderen Ländern dorthin? Was suchen sie dort? Sind sie den Stress und die Beton-Wüsten der Städte leid? Und Stress gibt es in den Städten, wo die eigene Freiheit und die Gestaltung des Lebens den Menschen zusammenschnürt und wo wir fremd gesteuert werden.

Ich bin sicher, dass die unberührte Natur von oft Atem-beraubende Schönheit, das ausgeglichene sonnige Klima von La Gomera und die große Chance der Selbst-Befreiung durchschlagend sind. Vor zwei Tagen bin ich wegen der Bauarbeiten am kleinen ZEN-Zentrum von dort zurückgekommen: Jetzt blüht die Insel.

Ronald hat mit mir dort gedreht: Ihn hat die Wechselwirkung der Insel mit dem ZEN fasziniert. Zuerst wurden die laufenden Bauarbeiten gefilmt. Denn Zen ist Handeln.

Was sagt nun Meister Dogen zur Kraft der Natur?
Eine bekannte Geschichte beschreibt den buddhistischen Weg eines alten Meisters, der bereits über dreißig Jahre seines Lebens praktiziert hatte, aber wohl zu sehr durch Theorie gebunden war. Eines Tages blickte er bei einer Wanderung in den Bergen von einer Anhöhe hinab in ein anmutiges Tal. Die Pfirsichbäume waren im Frühling voll erblüht: Da verwirklichte er plötzlich die große Wahrheit des Lebens und der Welt und verfasste ein Gedicht:

„Dreißig Jahre lang ein Wanderer auf der Suche nach dem Schwert (der Wirklichkeit).
Wie viele Male fielen die Blätter und sprossen die Knospen?
In diesem Augenblick, als ich die Pfirsichblüten sah,
Bin ich direkt angekommen im Jetzt und habe keine Zweifel mehr.“

Das Schwert ist Symbol der Klarheit von Körper-und-Geist. Es durchschlägt die Verwirrungen, Knoten und angehäuften unnützen Muster des Lebens. Die Wirklichkeit öffnet sich so im unmittelbaren Erleben ! Das Schwert hat ähnliche Bedeutung wie der Diamant, der auch durch seine Schärfe das Dickicht aus vorgefassten Meinungen, Bewertungen und angelernten Gedanken zerschneidet. Dann sind wir offen für die Schönheit und Kraft der Natur.

Dies habe ich dort beim Interview klar machen wollen.
Dazu passt die Meditationsflöte Shakuhachi besonders gut, die ich so gern spiele.

Den Sonnenuntergang im Westen der Insel haben wir mit Bogenschießen am Meer verbracht. Das Selfie des Teams wurde übrigens von einer Drohne aus gemacht. Anfang nächsten Jahres soll der Film fertig sein.