Montag, 13. August 2012

Die Befreiung der handelnden Buddhas




Dōgen untersucht das reine, wahre Handeln der Buddhas ganz genaun. Ein solches Handeln umfasst genauso das Ich wie das Du.
„Das wahre Handeln im Gleichgewicht, wenn es hier und jetzt als Buddha und hier und jetzt als Selbst gekommen ist, ist genau die Befreiung.“

Mit dieser Aussage bezieht sich Dōgen auf das Kapitel über das „Etwas“, das die intellektuelle Unfassbarkeit der Wirklichkeit und vor allem des Menschen behandelt, wobei das „Etwas“ in der ganzen Wirklichkeit gegenwärtig ist. Dieses Etwas ist mit dem Denken nicht fassbar, aber es ist genau die Wirklichkeit. Dōgen fordert uns auf, uns immer die Grenzen unseres Denkens vor Augen zu führen; wir sollen uns nicht durch falsche und konkretistische Vorstellungen von Ich und Du einengen. Denn wenn wir uns auf diese Weise eingrenzen, erfahren wir nicht die ganze Fülle der Wirklichkeit bei den Begegnungen mit anderen Menschen im Augenblick.

Der handelnde Buddha ist nicht von den konkreten zehn Himmelsrichtungen des Raumes und der Welt getrennt, sondern er bildet damit eine Einheit. Sein Handeln ist das verwirklichte Universum und die Befreiung.

Das Nachdenken über weit entfernte Orte, das mehr Fantasie als Wirklichkeit ist, sollten wir daher aufgeben und zum konkreten Ort zurückkehren und vor allem hier und jetzt handeln. Es geht in diesem Zusammenhang auch um allzu abstraktes Denken über unser Leben und unsere Umwelt. Die obige Aussage wird dem großen Meister Wanshi zugeschrieben, der von Tendō Nyojō und Dōgen außerordentlich geschätzt wurde und etwa 100 Jahre vor ihnen gelebt hat. Dōgen fährt dann fort:
„Wenn wir schon diesen Zustand bewahren und uns auf ihn verlassen, sind (uns) alle Dharmas, Körper, alle Handlungen und alle Buddhas vertraut und direkt.“

Das heißt, dann entfällt alles Überflüssige und es wird nichts hinzufantasiert und wir werden nicht getäuscht. Die Wirklichkeit erscheint einfach so, wie sie ist, und offenbart sich im Augenblick des Handelns. Es geht dann nur um das Handeln selbst. Durch diese scheinbare Beschränkung und Fokussierung ergibt sich gerade unsere Befreiung als direkte Erfahrung.

Dōgen spricht auch von einer Fokussierung auf die Augen und meint damit, dass wir die Dinge genau so sehen, wie sie sind, und sie nicht durch Täuschung und Illusionen verzerren sollen. Eine solche klare Wahrnehmung selbst eröffnet uns also den Blick für die Wirklichkeit, die dann unverschleiert und unverzerrt gesehen werden kann. Dies ist ein wichtiger Teil der Befreiung! Gleichzeitig erfährt man bei dieser umfassenden Wahrnehmung, welche die Dualität überschreitet, die große Einheit, sodass wir Objekte nicht getrennt und isoliert von uns erleben.

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