Sonntag, 2. September 2012

Handeln ist einfacher als Denken



Weil das Denken ist letztlich viel komplizierter und schwieriger als das Handeln, stellt Dōgen im Einklang mit dem großen Meister Sōsan fest: „Bei der Wahrheit anzukommen ist ohne Schwierigkeit.“ Das ist auch deshalb so, weil beim reinen, wahren Handeln unser Denken nicht von verzerrenden Emotionen wie Abneigung, Hass, Gier oder auch Zuneigung gesteuert wird. Handeln ist also einfach und direkt, während intellektuelle Überlegungen kompliziert und oft mit starken Affekten und Verspannungen verbunden sind. Beim Handeln ist der Körper entspannt und wir befinden uns in der großen, natürlichen Wahrheit:
„Denkt daran, dass wir in der Einheit mit der Wahrheit geboren werden, wenn wir in das Leben geboren werden, und wenn wir in den Tod eingehen, gehen wir in ihn in Einheit mit der Wahrheit ein.“
Dōgen vergleicht diesen Zustand, der vom Anfang bis zum Ende richtig ist, auch mit einem sich drehenden Juwel und einer rollenden Perle. Dann ist das reine, strahlende Handeln vor uns manifestiert.
„Was einen Teil des reinen, wahren Handelns eines Buddhas vermittelt und benutzt, ist der ganze Kosmos, die ganze Erde und das Ganze von Leben-und-Tod und Kommen-und-Gehen. Es umfasst die Länder des (materiellen) Staubes und die (reinen) Lotusblume.“
Mit den Ländern sind nicht Erdteile, politische Einheiten oder bestimmte Regionen gemeint, sondern die materiellen Gegebenheiten unserer Welt. Mit der Lotusblume spricht Dōgen die Ästhetik an. Beide stellen nach Nishijima Roshi allerdings nur jeweils eine bestimmte Teil-Dimension oder Lebensphilosophie dar, während das Handeln der Buddhas im Augenblick den höchsten Zustand in seiner Ganzheit verwirklicht und das Materielle sowie das Ideelle einschließt.
Dōgen fordert uns auf, über diesen Zusammenhang und diese Wahrheit immer wieder gründlich nachzudenken und sie uns anzueignen. Wir müssen über Vorstellungen hinausgehen und im Handeln alles selbst erfahren. Mit dem Denken und der Wahrnehmung lässt sich das Handeln der Buddhas nämlich nicht erfassen. Wenn wir die Wahrheit erlangen, verschwinden die üblichen Maße dieser Welt. Das extrem Große gleicht dann dem extrem Kleinen. Beim wahren Handeln ist nichts verborgen im Kosmos und in der ganzen Welt und es ist genau das Handeln der Buddhas. 

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