Donnerstag, 20. September 2012

Innerbuddhistischer Dialog




Liebe Freundinnen und Freunde des Zen,

wir überlegen mit Vertretern des Tibetischen Buddhismus, wie ein innerbuddhistischer Dialog zwischen den verschiedenen Traditionen durchgeführt werden könnte, in diesem Fall also zwischen dem Tibetischen Buddhismus und dem Zen.

Ich möchte Ihnen/Euch daher kurz meine Überlegungen dazu mitteilen, die auch auf meinen langjährigen Erfahrungen beim Umwelt-Dialog im nationalen und internationalen Bereich beruhen. Sie sind hoffentlich eine brauchbare Anregung für praktische Aktivitäten, denn der innerbuddhistische Dialog ist durch einen kürzlichen Diskussionsbeitrag in der Zeitschrift „Buddhismuas aktuell“ besonders aktuell geworden. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Zen nicht zuletzt auf der Grundlage von Dogens fulminantem Werk Shobogenzo dazu wertvolle Beiträge liefern kann.

Ein solcher Dialog, der im Tibetischen Ri-me heißt, sollte wirklich frei von offenen und verdeckten Hierarchien zwischen den Vertretern der Übertragungslinien sein und könnte folgende Elemente enthalten:

1. Einführende Worte eines Mediators, der keiner der beiden Übertragungslinien angehört.
2. Grundsatzreferate der beiden Vertreter zu einem zentralen Thema des Buddhismus, Dauer ca. 30-45 Minuten.
Folgende Themen könnten z. B. gewählt werden: Erwachen/Erleuchtung, Leerheit und bedingtes Entstehen, Buddha-Natur, Geist-Training, Einheit von Körper-und-Geist, intuitive Klarheit und Grenzen des Denkens, Ich-Losigkeit, Achtsamkeit, Meditation/Samadhi, wahres Handeln, Bodhisattva, Ethik/Moral, Karma und Wiedergeburt usw.
3. Freier und offener Dialog der beiden Vertreter miteinander.
4. Fragen des Mediators an beide Vertreter, vorbereitet und/oder spontan sowie Fragen von Dritten, z. B. aus dem Publikum.
5. Zusammenfassung und Ausblick des Mediators

Es ist klar, das sich ein solcher inner-buddhistischer Dialog fundamental von den Retreats, Lehr- und Praxistagen innerhalb einer Übertragungs-Linie unterscheidet. Beide Formen dürfen daher nicht vermischt und verwechselt werden.

Es darf auf keinen Fall das Ziel bestehen, den Vertreter der jeweils anderen Linie zu belehren oder besiegen oder auch nur mit Tricks mehr Redezeit für sich selbst heraus zu holen, sondern es geht um kreative Wechselwirkungen und Anregungen, die nicht zuletzt für die jeweils eigene Linie fruchtbar und vertiefend sind. Es darf keine offene oder verdeckte Höherstellung eines der beiden Vertreter geben. 

Die Teilnehmer sollten dabei anschließend gleichberechtigt den Dialog mitgestalten. Das kommt der Hermeneutik des Philosophen Gadama und der Empathie des Therapeuten Rogers sehr nahe. Im innerbudistischen Dialog geht es also um Kreativität im Dialog und nicht um den begrenzten Austausch bereits vorhandenen Wissens als unveränderliche Entität und schon gar nicht um Sieger und Besiegte. Es sollte auch kein festes Ziel vorgegeben werden, sondern es ist das Ziel kein Ziel zu haben: wir wissen nicht was herauskommt. Es geht nicht um falsch verstandene Belehrung oder Unterweisung von oben nach unten, sondern um einen "leeren" Dialog ohne Verfestigungen und Isolation der Teilnehmer von einander, ohne svabhava: kurz die Trennung des Dualismus im Gespräch wird aufgehoben. Das ist u. E. die zentrale Aussage von pratitya samutpada, das ist das wechselwirkende Aufblühen des Buddha Dharma.

Dabei ist auch der enge Bezug zum ursprünglichen Pali-Buddhismus besonders wichtig.

Es wäre sicher sinnvoll, die schriftlichen Fassungen auch allgemein verfügbar zu machen.

Was meinen Sie/meint Ihr dazu? Gibt es Erfahrungen für einen solchen fruchtbaren Dialog.
Ich habe gebeten einmal anzufragen, welche Themen für einen innerbuddhistischen Dialog besonders wichtig sind und ob mein Vorschlag zum Vorgehen auf Zustimmung stößt.

Mit herzlichen Grüßen
Yudo

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