Sonntag, 7. Oktober 2012

Handeln ist kein Wetterleuchten des Geistes!




Ein allzu sehr auf den gewöhnlichen Menschen bezogenes Verständnis des Buddhismus kann nicht zur wahren buddhistischen Lehre und Praxis führen. Nur dann sind alle praktischen Tätigkeiten des Alltags sowie die sinnlichen Wahrnehmungen im Einklang mit der buddhistischen Wirklichkeit!

Vermutlich spricht Dōgen solche buddhistischen Gruppen und Übertragungslinien an, die er nicht für authentisch hält, die die Lebenswirklichkeit des Handelns nicht konkret kennen und den Dharma nicht praktizieren. Sicher meint er auch Gruppen, die nicht Zazen praktizieren und in Theorien und Zeremonien gefangen sind.

Dōgen hält fest, dass viele verschiedenartige, zu seiner Zeit gelehrte Formen der Erleuchtung überhaupt nicht die Wirklichkeit des wahren und reinen Handelns erreichen. Sie verharren in dogmatischen traditionellen Lehren und liebgewordenen Ideen-Konstrukten ohne großen Wahrheitsgehalt. Sie sind nur nettes Wetterleuchten im Geist ohne Kraft und ohne Entwicklungs-Potential. Dies gilt nicht zuletzt für bestimmte buddhistische Lehren, die vielleicht sogar als heilig und unantastbar anerkannt waren.

Für Dōgen ist es von großer Bedeutung, ernste Fragen zu stellen und nichts ungeprüft hinzunehmen. Für solches Verhalten sind sogar heilige Hierarchien auch in heutigen buddhistischen Gruppen bestimmt hinderlich.

Auch Begriffe und Vorstellungen von der Achtsamkeit oder der Nicht-Achtsamkeit erreichen nicht das Handeln selbst. Das behandelt Dōgen in den Kapiteln über die Lotus- Sūtra und das Lesen der Sūtras. Ob man Erleuchtung erlangt hat oder ohne Erleuchtung ist, oder ob man „erlernte Erleuchtung“ oder „ursprüngliche Erleuchtung“ hat, sind laut Dōgen
„nur aufgeregte Gedanken der gewöhnlichen Menschen und sie werden hektisch von den gewöhnlichen Menschen der Gegenwart hin- und hergewälzt.“

Im Verhältnis zum Handeln in seiner Einfachheit und Reinheit seien dies jedoch nur Gehirntätigkeiten, die letztlich nicht weiterführen. Solche Denkgebäude würden sich auch nicht im Einklang mit dem authentischen Buddha-Dharma befinden.

Dōgen arbeitet dann heraus, dass sich die Achtsamkeit als Begriff und Vorstellung bei den gewöhnlichen Menschen fundamental von der Achtsamkeit der handelnden Buddhas unterscheidet. Davon ist im großen Sūtra der Achtsamkeit des frühen Buddhismus die Rede, in dem auch die Vier Edlen Wahrheiten, die Fünf Hemmnisse des Erwachens und vor allem der Achtfache Pfad enthalten sind. Im Kapitel des Shōbōgenzō über die 37 Elemente des Erwachens bespricht Dōgen die Achtsamkeit ebenfalls detailliert.

Er lehnt sie also keineswegs ab, sondern führt sie durch die Praxis des wahren und reinen Handelns auf ihren Kern zurück.

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