Montag, 28. April 2014

Der Buddha Dharma ist unser tägliches Kommen und Gehen



Dōgen kommt auf den indische Gelehrten Sanzō zu sprechen und erklärt, dass dieser den wahren Ort, an dem der Landesmeister Daisho, der im Hier und Jetzt im Einklang mit dem Buddha-Geist ist, sich aufhält, auf keinen Fall erfassen kann. Eine materielle Beobachtung der Äußerlichkeit des Zen-Meisters reiche nicht aus. Es sei für Sanzō nach Dōgen also unmöglich, die Frage „Sag mir, wo der alte Mönch jetzt ist“ im Sinne des Buddha-Dharma zu beantworten. Besonders bedauerlich sei, dass er nicht genau zugehört habe und daher auch nicht tiefer in diese Frage eindringen könne:

Wenn Sanzō den Buddha-Dharma erlernt hätte, würde er den Worten des Landesmeisters (genau) zuhören, und er könnte in der Lage sein, den Körper-und-Geist des Landesmeisters zu sehen.“

Der Buddha-Dharma ist unser tägliches Leben, Kommen und Gehen und nicht der gelehrte Stoff der Theoretiker.

Das Zusammentreffen mit dem indischen Gelehrten ist besonders bemerkenswert, weil Indien damals als buddhistisches Ursprungsland hoch geschätzt war. Oft ist vom „westlichen Himmel“ die Rede, wenn es um Indien geht. Besonders deutlich wird dies zum Beispiel in den Beschreibungen, wie Bodhidharma aus dem buddhistischen Indien nach China kam, in dem der Buddhismus als unterentwickelt betrachtet wurde, weil es dort zum Beispiel vorher keine authentische Übertragung von einem wahren Meister gegeben habe.

Dōgen bedauert, dass der Gelehrte Sanzō auch nicht erkannt habe, dass er es bei Daisho mit einem großen buddhistischen Meister zu tun hatte, von dem er den authentischen Buddhismus hätte erlernen können. Damit habe er eine große Chance verpasst. Seine eigene Begrenztheit der reinen Theorie hätte er sonst erkennen können, und durch den direkten lebendigen Kontakt und den umfassenden Geist des Landesmeisters hätte er den Buddha-Dharma zumindest umrisshaft begreifen können.

Könige von Göttern und Lehrer der Kommentare können (auch schon) wissen, was die Gelehrten des Tripitaka wissen.“

Dies sei aber überhaupt nicht mit dem Leben und Verhalten des Landesmeisters vergleichbar. Das Wissen und die Erkenntnis der Bodhisattvas überschreiten nach Dōgen bei Weitem das, was der Gelehrte Sanzō erkennt und erfährt. Solche Gelehrten hätten zwar die Berufung zum Buddha und seien in den sogenannten zehn heiligen Stufen, aber gehören noch nicht zu den ewigen Buddhas wie Meister Daisho

„(Tiefgehende) Gespräche über Körper-und-Geist zwischen Buddhisten gleichen einem (Dialog zweier wahrer Meister). Wir sollten sie kennen und auf sie vertrauen.“

Es ist in der Tat von großem Wert, dass solche Unterhaltungen und Kōan-Geschichten im Zen-Buddhismus über viele Generationen weitergegeben werden, denn mit ihrer Hilfe können die Kernpunkte der buddhistischen Lehre erklärt und von den Schülern erlernt werden.





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