Donnerstag, 17. April 2014

Die drei Körbe der buddhistischen Lehre


Die Gelehrten der buddhistischen Schriften des Tripitaka, wie etwa Sanzō, sind nach Dōgen nicht in der Lage, zum Kern des Buddha-Dharma vorzustoßen; er stellt fest:

„Sie sind so weit davon entfernt wie Himmel und Erde.“

Tripitaka ist das Sanskrit-Wort für die „drei Körbe der Lehre“, und es umfasst die buddhistischen Vinaya, also die Gelöbnisse und Regeln, die Sūtras Gautama Buddhas und den Abidharma, die Erläuterungen und Kommentare zur buddhistischen Lehre. Dōgen zählt die Gelehrten des Tripitaka demnach nicht zu den wahren Buddhisten, denn sie sind aus seiner Sicht normale Experten und Gelehrte, die nicht Zazen praktizieren und daher keine wahren Meister und keine wahren Lehrer des Buddha-Dharma sein können.

Der Inder Sanzō war zwar ein solcher gelehrter Mann, aber die Fähigkeit, den Buddha-Geist zu erfahren und in der Praxis zu erlernen, hatte er laut Dōgen gerade nicht. Daher konnte er auch nicht den Geist eines wahren Meisters erkennen, selbst wenn er vielleicht die magischen Fähigkeiten besaß, gewisse Gedanken anderer zu erraten. Dōgen stellt deshalb kurz und bündig fest:

„Er hat niemals den Körper-und-Geist der buddhistischen Wahrheit gesehen, niemals im Traum.“

Damit bezeichnet er die Aussagen von Sanzō grundsätzlich als sinnlos und nutzlos; sie betreffen nur äußere Gegebenheiten und verbleiben im Bereich der materiellen Wahrnehmung. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Landesmeister Daisho und dem Gelehrten Sanzō, weil der Meister ihn durchschauen und erkennen kann, während dies umgekehrt nicht möglich ist. Daisho habe den Buddha-Geist erlangt.

„Wenn wir Geist im Buddhismus erlernen, sind die unzähligen Dharmas selbst Geist, und die (konkrete) dreifache Welt ist allein Geist.“

Ein solcher Geist ist umfassend, aber auch genau so, wie er ist. Eine Unterscheidung zwischen Ich und externer Welt ist beim Buddha-Geist nicht möglich, denn er würde bei der dann gegebenen Dualität nur die Teilwahrheiten des Idealismus und des Materialismus der externen Welt umfassen.

„In Buddhas Wahrheit ist die ganze Erde Geist, der sich nicht durch Entstehen und Vergehen verändert, und der ganze Dharma ist Geist.“

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