Samstag, 8. Juli 2017

Die Buddha-Natur ist nicht statisch sondern dynamisch


Die Buddha-Natur ist das wahre Selbst des Menschen. Ist sie in der modernen Zeit erstarrt? Der Zen-Meister Meister Daikan Enô gibt die Antwort.

Nach Dôgen sagte er klipp und klar, und das gehört zum Kernbestand der buddhistischen Lehre:
„Das ohne Statik ist Entstehen und ist die Buddha-Natur. Das, was Statik und Dauerhaftigkeit hat, ist der ein-dimensionale Geist, der alle Dharmas entweder in gut oder in schlecht unterteilt.“

Der hier angesprochene erstarrte und dogmatisch bewertende Geist ist also gerade nicht die Buddha-Natur. Er ist z. B. typisch für gewalttätige Extremisten, die wie in Hamburg, Fensterscheiben einschlagen und Autos abfackeln oder die wie in Syrien im Namen "Gottes" bomben und sogar morden.

Dass sich die Wirklichkeit wandelt und verändert, ist im Buddhismus eine wichtige und weit verbreitete Lehre. Typisches Beispiel dafür ist das wechsel-wirkende Entstehen in der Welt, also vernetzte Prozesse, die sich gegenseitig beeinflussen und jeweils Voraussetzung für alles Wachsen sind, für die Veränderungen des Gesamten und der vernetzten Teilsysteme. So funktioniert auch unser Gehirn, das neuronale Netz.

Die Veränderungen sind von zentraler Bedeutung für unsere Befreiung und Emanzipation von erstarrten Ideologien, Materialismus  und unrealen Weltanschauungen. Sie werden häufig nur zeitlich linear und eindimensional verstanden, was eine Verengung bedeutet. Weil man nur im Augenblick wirklich existiert, gibt es in diesem Zeitpunkt das höchste Maß an Wahrheit und zugleich den Impuls zur Befreiung aus Statik und Erstarrung, das sind wahre Veränderungen.

Es geht um den Zeitpunkt der vernetzten Prozesse, und wir erleben ihn existenziell als die Wirklichkeit gemäß der Sein-Zeit. Das ist das große Jetzt. Erstarrte Vorstellungen im Zeitablauf sind maßgeblich von eindimensionalen Denkprozessen und Vorstellungen abhängig, bei der Existenz-Zeit des Augenblicks sind sie demnach bedeutungslos. Erstarrte Vorstellungen und Ideologien führen zu Hass, Zerstörungswut und Intoleranz. Wie sollten"ohne" sein, das ist die berühmte Leerheit des Buddhismus!

Daikan Enô (Hui neng) sagt ganz klar, dass die Buddha-Natur ohne statische Dauerhaftigkeit aber voller Lebendigkeit ist, und dass der gewöhnliche Geist des Menschen im krassen Gegensatz dazu in konstanten dauerhaften Vorstellungen gefangen ist. Dies gilt vor allem für dogmatische Bewertungen und Unterscheidungen, wie total gut und total schlecht, richtig und falsch, moralisch und unmoralisch. So Etwas gibt er in der Wirklichkeit nicht. Daher ist es wichtig, sich der Gefährlichkeit von dogmatischen Bewertungen bewusst zu werden, sie zu erkennen und zu vermeiden.

Vor allem selbstgerechte moralische Bewertungen der "Anderen" werden meist zum überdimensionalen Aufbau des eigenen Ego und zur Selbstüberhöhung genutzt, auch wenn dies weitgehend unbewusst geschehen mag. Das hat zur Folge, dass die Wirklichkeit verdeckt und vernebelt wird, die unmittelbare positive Kraft der Wirklichkeit also geschwächt ist. Das führt zu Leiden und Unfreiheit, aber es kann durch die buddhistische Praxis überwunden werden. Unsere Erleuchtung ist ohne Ideologien und sie ist kraftvolle Lebendigkeit.

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